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einzigART - Museumsverein Kassel e.V.

London_Knees

Die "London Knees"

Text von Sandra Rexhausen

 

Wir kennen Claes Oldenburg natürlich eher als „Macher“ der großen „Spitzhacke“ am Fuldaufer, die ihren Platz zur documenta 7 im Jahr 1982 fand. Die „Spitzhacke“ verlängert die Achse vom Herkules über die Wilhelmshöher Allee. Sie scheint wie vom Herkules heruntergeworfen.


Aber noch ein anderes Werk von Claes Oldenburg ist in Kassel und gerade im Museumsverein präsent.
Die „London Knees“ (1966) von Claes Oldenburg sind eine Plastik, die zur Veranschaulichung eines seiner Projekte dienen sollte. Er stellte sich vor, diese cremefarbenen Knie in der Londoner Innenstadt in der Nähe der Themse aufzustellen. Dieser Plan wurde jedoch, wie einige andere von Claes Oldenburg, abgelehnt und nicht durchgesetzt. Die Plastik hingegen existiert immer noch und ist, dank des Museumsvereins Kassel e.V., im Besitz der "Neuen Galerie". Als Bestandteil des Museumsverein-Logos, gelangten die Knie erneut in die Öffentlichkeit.

Die beiden Knien mit Teilen des Oberschenkels und des Unterschenkels sind mit Polyethylen überzogen und stehen unbefestigt auf einer spiegelnden schwarzen Platte. Der Werkstoff der Beine lädt gerade zum Anfassen ein, da allein seine Farbe schon quietschend scheint. Als Betrachter möchte man an den Beinen entlang fahren, jedoch verhindert die Glasvitrine natürlich jede Berührung. Trotzdem bleibt das Gefühl des „Quietschigen“, „Schrillen“ und Aufmerksamkeit erhaschenden erhalten. Obwohl die Farbe so nah an der normalen Hautfarbe liegt, erscheinen die Beine doch poppig, was sehr zur Zeit der 60er passt - und zur PopArt von Claes Oldenburg. Er ist nah an der Farbe der Natur, schafft es aber trotzdem mit nur wenigen abweichenden Tönen ein Gefühl der Fremde und somit Aufmerksamkeit zu erreichen. Die Beine sind frei beweglich und können in immer neue Positionen versetzt werden: von geschlossenen Beinen bis keck schräg zueinander. Oldenburg wählte den Ausschnitt, den ein Minirock und der Stiefelschaft bei einer jungen Frau unbekleidet lassen würden.
Wenn die Knie an der Themse gestanden hätten, so wäre
der untere Saum des Minirocks durch den Himmel und der obere Rand des Stiefelschaftes durch die Stadt gebildet worden. Oldenburg thematisiert hier den in den 60er Jahren so beliebten Kleidungsstil der jungen Frauen und das Bild einer neuen Generation. Mehr Offenheit und ein neues Bewusstsein veränderten die Zeit der 60er. Natürlich wäre zu bedenken, dass alle Spaziergänger an der Themse leichte Voyeure wären und unter den Rock der Dame, die in den Himmel ragen würde, sehen könnten. Die Augen zum Himmel als Blick unter den Minirock - die Bedeutung dieser Anspielung scheint sehr schwer zu wiegen. Gerade in der heutigen Zeit der Voyeure und der Schaulustigen, scheint die Arbeit einen neuen Anspruch zu bekommen. Das Werk von Claes Oldenburg scheint eine neue Dimension neben dem neuem Standpunkt zur Sexualität der 60er Jahre zu bekommen.

 

„London Knees“ von Claes Oldenburg (1966)

 

Kommende Events


EinzigART besucht
die Ausstellung "Lichtgefüge"

Sa 18. Februar 2012
Schloss Wilhelmshöhe
EinzigArt

"Rock den Rex!"

Fr 09. März 2012, 20.00 Uhr


Ottoneum

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